Rudolf Spath hat schon seit vielen Jahren einen Bezug zu dem Seniorenzentrum St. Thekla im Würzbuger Stadtteil Sanderau. Zum Einen weil er im gleichen Stadtteil, nur einige Straßen weiter, sein Architektenbüro betreibt und zum Zweiten ist er eng mit dem Seniorenzentrum verbunden, da er für dessen Erweiterung und Umbau vor einigen Jahren zuständig gewesen ist.


Die ersten Planungen begannen 1995, bis zur Fertigstellung des Zentrums vergingen dann, nach 3 Bauabschnitten, 8 Jahre. Der vormalige Flachbau aus den 70- ern wurde erweitert, umgebaut, aufgestockt und total auf den Kopf gestellt. 2003 zur Einweihung des Seniorenzentrums war das vormalige Altenheim nicht mehr wiederzuerkennen – Innen und Außen farbenfroh gekleidet, alle Räume neu gestaltet und dazu viel, viel Licht.

EINIGE TAGE LANG ...

„Unser Architekturbüro hat sich schon seit längerem auf den Neu- und Umbau von sozialen Einrichtungen spezialisiert“, erzählt Rudolf Spath im Gespräch und man merkt ihm dabei sein leidenschaftliches Engagement an. Das war dann auch der Grund, warum der Architekt für einige Tage seinen Beruf an den Nagel hängt, um vor Ort, ganz nah bei den Menschen zu sein, für deren Wohnqualität er mitverantwortlich ist. Er will erfahren, wie sie heute in St. Thekla leben, wie das Pflegepersonal seinen Arbeitsplatz sieht und ob alles wie ein gut funktionierendes Räderwerk ineinander greift.

Für die Tage des Praktikums ist Rudolf Spath Schwester Edith Lux zur Seite gestellt und versucht die Wohnbereichsleiterin so gut wie mäglich zu unterstützen. Der Tagesablauf beginnt mit dem Aufstehen, Anziehen, Waschen und Frühstück verteilen. Je nach Befinden des Bewohners muss der Architekt zu Hilfe gehen. Oft sind es auch die kleinen Zuwendungen, die den alten Menschen Freude bereiten. Ein aufmunterndes oder trästendes Wort an der richtigen Stelle, einfach nur die Haare kämmen oder liebevoll die Hand halten.

EINTAUCHEN IN EINE ANDERE WELT

Anfangs gilt es noch, das Architektenauge offen zu halten, zu schauen, ob hier eine Tür klemmt, oder was man hätte noch besser machen können. Das verliert sich jedoch schnell angesichts des umfangreichen Tagesablaufs. „Man taucht in diese Welt ein und erfährt, dass jedes Gesicht eine Geschichte zu erzählen hat – dass Nähe, Geborgenheit und ein Gespräch jetzt ganz wichtig geworden sind“. Und Architekt Rudolf Spath sagt weiter: „Es war eine sehr intensive Zeit. Manchmal anstrengend, oft aber anrührend und voller emotionaler Momente“.

FRIEDA BOLL ...

Da sind zum Beispiel Geburtstage zu feiern wie der von Frau Frieda Boll aus Würzburg. Die geistig und körperlich fitte Rentnerin hat sich bis zu ihrem 93. Lebensjahr in ihrer kleinen Wohnung noch selbst versorgt. Erst seit 3 Jahren in St. Thekla, feiert sie gerade ihren 96. Geburtstag. Und Rudolf Spath erinnert sich: „Es ist wirklich spannend, wenn ein Mensch mit einer so langen Geschichte zu erzählen beginnt“. Aus einer anderen Welt kommend, erfährt der Architekt, was wichtig geworden ist für Menschen am Lebensabend. Er ist berührt und braucht noch eine gewisse Zeit des Verdauens, wie er sagt.

Großen Respekt zollt er auch dem Pflegepersonal, dessen Arbeit er nun selbst erfahren hat. Neben den rüstigen Bewohnern sind vor allem Demenz- und Schwerstpflege eine tägliche Herausforderung für die engagierten Mitarbeiter des Seniorenzentrums St. Thekla.

Mit etwas Abstand sieht Rudolf Spath sein Praktikum als großartige Erfahrung, die seine weitere Arbeit als Architekt sicherlich beeinflussen wird. Dass der Mensch dann noch mehr im Mittelpunkt seiner Planungsarbeit steht, ist jetzt schon sicher.

Der Aufenthalt in St. Thekla hat gewiss viel Emotionales bei Rudolf Spath hinterlassen – den Eindruck hat man vom „Praktikanten“, wenn er überlegt: „neben den Farben fürs Auge kännten wir doch mal versuchen mit Düften zu arbeiten“!

Ein Bericht von Roland Schwerdhöfer