Ein Denkmal definiert sich als ästhetischer, historischer, wissenschaftlicher oder gesellschaftlicher Wert für vergangene, gegenwärtige und zukünftige Generationen

Schloss Neuschwanstein sprengte 2013 mit 1,5 Millionen Besuchern sämtliche Rekorde und konnte insgesamt bereits 60 Millionen Besucher zählen. Rothenburg ob der Tauber ist heute mit seiner weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Altstadt eine weltbekannte Touristenattraktion. Und in vielen großen Städten kann man die Schönheit von restaurierten Häuserfassaden (siehe Bild) aus dem 19. Jahrhundert bewundern.

 

baudenkmal-sanierungDenkmal- und Baudenkmalpflege geht bis in die Antike zurück. In Deutschland ist, abgesehen von privaten Initiativen, der gesetzlich geregelte Denkmalschutz gut 100 Jahre alt. Und was regelt der Denkmalschutz? Er legt fest, welche Bauwerke einen hohen künstlerischen Wert, historische, regionale oder lokale Bedeutung haben und somit zu erhalten, zu pflegen und zu schützen sind. Es besteht dann ein öffentliches Interesse, wenn zum Beispiel ein Gebäude bedeutend für die Geschichte eines Dorfes, einer Siedlung oder einer Stadt ist. Es kann sich dabei um ein einzelnes Bauwerk handeln, um Gruppen von Gebäuden (Ensembles) oder ganze Ortskerne. Die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern ist geklärt – so gehören Denkmalschutz und -pflege zu den originären Aufgaben der Länder. In Bayern ist dafür das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege mit seinen Gebietsreferenten in Landkreisen und Städten zuständig.

Der Traum vom anderen Wohnen steckt in vielen Menschen, berichtet der Architekt Frank Stöcker. Er sieht in dem speziellen Thema Denkmalpflege einen wichtigen Schwerpunkt seiner Arbeit und hat bereits viele Bauherren auf dem Weg zum individuellen Wohnen professionell unterstützt. Aber was macht die Faszination aus, in einem solchen Haus zu leben, fragen wir den Architekten. „Es ist die Seele eines alten Gebäudes, die Geschichten zu erzählen vermag, und die Fragen, die man an es hat. Welche Handwerker haben das alte Kellergewölbe gebaut, und wurde in den verstaubten Eichenfässern der eigene Wein gelagert? Wer hat die Bruchsteinmauern erstellt oder den märchenhaften Wintergarten? Oder wie haben die Ururgroßeltern ohne Licht-, Strom-und Wasseranschluss hier gelebt?“, fragt sich der Fachmann.

Ist man im Besitz eines Denkmals oder spielt man mit dem Gedanken, ein Denkmal zu erwerben, stellen sich viele Fragen. Oft besteht die Angst beim Bauherrn, er dürfe nichts verändern und müsse alles so wiederherstellen, wie es im Urzustand war. Aber das stimmt nicht, so Frank Stöcker. Zur dauerhaften Erhaltung von Denkmälern ist es erlaubt, eine zeitgemäße Heizungs-, Sanitär- und Elektroinstallation einzusetzen, natürlich mit möglichst geringen Eingriffen in die historische Substanz. Wichtig ist deshalb immer eine gute Vorbereitung, um alle baulichen Parameter zu kennen, ein fachlich kompetenter Architekt und die konstruktive Zusammenarbeit mit dem zuständigen Amt für Denkmalschutz.

Dann stellt sich noch die Frage der Finanzierung! Dazu der Fachmann: „Es ist erwiesen, dass die Instandsetzung eines Denkmals nicht zwangsläufig teurer kommt als der Abbruch und Neubau. Es gibt eine Fülle von öffentlichen Fördermöglichkeiten, dazu Steuervorteile, denn ein Denkmaleigentümer kann seine Investitionen über mehrere Jahre abschreiben.  Absetzbar sind alle Erhaltungsmaßnahmen am Baudenkmal ebenso wie alle Arbeiten, die ein Denkmal überhaupt erst bewohn- und benutzbar machen.“
Sein Plädoyer: „Seien Sie mutig! Es lohnt sich in vielerlei Hinsicht, ein Denkmal zu erwerben, umzunutzen und zu sanieren. Kein Neubau hat den Flair eines historischen, in die Landschaft oder das städtische Umfeld eingewachsenen Gebäudes.“