Aus der Projektarbeit: Das Architekturbüro Spath Stöcker plant die Sanierung des Kindergartens im Würzburger Stadtteil Heuchelhof 

Kinderbetreuungseinrichtungen standen in den letzten Jahren und stehen auch aktuell im Zeichen großer Umbrüche. Durch den gesellschaftlichen Wandel und die daraus resultierenden neuen gesetzlichen Vorgaben entstanden wesentliche Veränderungen im Bereich der Kinderbetreuung. Besonders die Öffnung von Tageseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren stellen Träger, Kindergärtner/innen, Leitung und Planer vor große Herausforderungen. Denn die Konzepte gehen heute von reinen Kinderkrippen über Kindergruppen bis hin zu altersgemischten Gruppen. Sie haben den klassischen Kindergarten für Kinder von drei bis sechs Jahren abgelöst.

 

Kindergarten St. Sebastian, Ist-ZustandDie Generalsanierung des Kindergartens St. Sebastian ist seit gut einem Jahr in der Konzept- und Planungsphase. Hier kommen Rudolf Spath seine Erfahrungen im sozialen Bereich zugute, zudem hat er bereits den Würzburger Kindergarten St. Bruno saniert. Die rechtlichen Vorgaben sind enorm, weiß der Architekt zu berichten. Sie reichen vom Baurecht über die Arbeitsschutz-Gesetzgebung des Staates und die Regelsetzung der Unfallversicherungsträger bis hin zum Kinder- und Jugendhilfegesetz mit angegliederten
Landesgesetzen und -verordnungen.

Konzept, Planung und Kostenschätzung liegen bereits vor, die Baueingabe soll noch in diesem Jahr erfolgen. Je nach Freigabe der beantragten Fördermittel könnte die Sanierung 2016/2017 stattfinden.

Mit Kindergartenleiterin Christl Silberschneider gab es viele Sitzungen, Gespräche und das gemeinsame Ringen um die besten Lösungen. Zusammen mit Rudolf Spath besuchte sie auch andere Kindergärten, um neben den eigenen Vorstellungen noch weitere wichtige Impulse zu erhalten. Christl Silberschneider erklärt: „Wir fragen uns immer, wie sich die Kinder am besten entfalten können, wie die Umgebung sie am besten motivieren kann. Wir mussten ein genaues Anforderungsprofil erarbeiten, stark getragen von pädagogischen Aspekten unter Einbeziehung baulicher und finanzieller Möglichkeiten.“

Das Gebäude, welches heute in drei Gruppen 71 Kinder und 10 Mitarbeiter beherbergt, stammt aus den späten 70er Jahren. Jetzt sollen offene Räume entstehen, mit klaren Strukturen. Dazu förderliche Spiel- und Lernlandschaften, die sensorische und soziale Erfahrungen ermöglichen, die Fantasie unterstützen und dem kindlichen Bewegungsdrang gerecht werden. Elementare Bedeutung hat das Thema Essen. Früher brachte jedes Kind sein belegtes Brot mit in den Kindergarten, heute werden Frühstück und Mittagessen in der Betreuungseinrichtung selbst zubereitet.

Um dem allgemeinen Fast-Food-Trend etwas entgegenzusetzen, ist die gemeinsame Essenszubereitung mit den Kindern besonders wichtig. Hierfür stehen der Einrichtung kindgerechte Küchen und eine Verteilerküche zur Verfügung. Derweil freut sich das Team auf den ersehnten Personalraum (bisher in der Küche), um in den Pausen auch einmal durchatmen zu können. Ausgänge und Notausgänge sind ebenso neu geplant wie ein Multifunktionsraum und ein Werkraum zum Hämmern, Bohren und Nageln.

Wie wichtig die Farbgebung in einem Kindergarten ist, weiß Christiane Spath, die sich im Architekturbüro auf dieses Thema spezialisiert hat. So finden Kleinkinder zum Beispiel Sanitärräume attraktiver, wenn statt Weiß und Grau fröhliche Farbtöne zum Einsatz kommen.